News Unsere Schule
Hauchdünnes Nein in Amriswil
Die Schulbürger lehnen den Kredit zum Schulhausneubau in Hemmerswil knapp ab. Der Schulpräsident ist ratlos.

Ein Blick ins Innere des geplanten Neubaus in Hemmerswil, das an der Urne nun abgelehnt wurde. Bild: zvg
Bericht: Thrugauer Zeitung online, 1.12.2025 / Manuel Nagel & Judith Schönenberger
Bei einer Stimmbeteiligung von 30,9 Prozent machten 35 Stimmen den Unterschied: 1428 Schulbürgerinnen und Schulbürger sprachen sich auf ihrem Stimmzettel für den 29,5-Millionen-Kredit für das Schulhaus Hemmerswil aus, 1463 dagegen. Damit wird das Vorhaben von einer knappen Mehrheit von 50,6 Prozent der Abstimmenden abgelehnt.
Die Volksschulbehörde Amriswil-Hefenhofen-Sommeri teilt mit: «Die Ablehnung bedeutet nicht, dass der Bedarf an zusätzlichem Schulraum entfällt.» Mit dem Entscheid sei nun klar, dass alternative Lösungen erarbeitet werden müssten. Die Behörde werde Gründe und Anliegen evaluieren, die zur Ablehnung geführt hätten. «Ziel ist es, Varianten zu entwickeln, welche sowohl dem dringenden Raumbedarf als auch den finanziellen Erwartungen der Bevölkerung entsprechen.»
Schulpräsident ist nach dem Nein etwas ratlos
Die Strategie bleibe bestehen, keine unnötigen Raumreserven zu schaffen und langfristig tragbare Investitionen zu planen. Die Stimmbeteiligung von rund 30 Prozent zeige, dass die Weiterentwicklung der Schulbauten auf Interesse stosse. Trotz der Schlappe an der Urne bedankt sich die Schulbehörde bei allen Stimmberechtigten «sowie den engagierten und interessierten Kreisen für die intensive Auseinandersetzung und die offen geführten Diskussionen».
Schulpräsident Michael Stäheli-Engel sagt am Telefon, es gelte wie immer, das Abstimmungsresultat zu akzeptieren. «Aus meiner Sicht kann man nicht von Gewinnern oder Verlierern sprechen. Solche Entscheide betreffen immer alle Stimmbürger und Steuerzahler.» Er spüre eine gewisse Ratlosigkeit, vor allem in Bezug auf die finanzpolitischen Argumente der Gegner. «Wir verlieren mit jedem Nein relativ viel Zeit und Geld.» Die Planungskosten für dieses Projekt müssten nun abgeschrieben und das Vorhaben neu geplant werden. Das werde «hintenraus» mit aller Wahrscheinlichkeit teurer. Denn es sei klar: «Wir brauchen dringend neuen Schulraum.»
Das hauchdünne Nein mit nur 35 Stimmen Unterschied zeigt Stäheli-Engel, wie umstritten die Vorlage war. «Es hätte wahrscheinlich auch auf die andere Seite kippen können, aber so ist das in der direkten Demokratie.» Unerfreulich sei, dass im Vorfeld der Abstimmung falsche Behauptungen kursiert seien. Am Schluss ändere das aber nichts am Ergebnis.
Totalsanierung wäre nur 1 Million günstiger gewesen
Dass die Abstimmung zum Baukredit für das neue Schulhaus in Hemmerswil, ganz im Osten der Stadt Amriswil, knapp ausfallen würde, war zu erwarten. Nach der ablehnenden Haltung zum Projekt in Sommeri im vergangenen Frühling gab es auch bei dieser Vorlage kritische Stimmen, insbesondere aus den Reihen der «IG bezahlbare Schule», zu der vor allem Personen der örtlichen FDP und SVP gehören. Nebst den Kosten wurde auch moniert, dass das nur 43 Jahre alte Gebäude, das noch eine gute Bausubstanz habe, abgerissen werden und einem Neubau Platz machen soll.
Für die Schulbehörde war nach Prüfung aller Varianten eine Sanierung des jetzigen Schulhauses keine wirkliche Alternative. Eine wegen der maroden Gebäudetechnik erforderliche Totalsanierung wäre gemäss Schätzung der VSG anstelle der beantragten 29,555 Millionen Franken nur etwa eine Million günstiger gekommen, doch hätte der Schulraum nicht mehr den zeitgemässen pädagogischen Anforderungen entsprochen, sagte Schulpräsident Michael Stäheli-Engel im Vorfeld der Abstimmung.