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Kein Wundenlecken der Behörde
An der Budgetversammlung der Volksschulgemeinde in Sommeri war das Nein vom Sonntag kaum ein Thema.

Die Stimmenzählerinnen haben an der Versammlung der Volksschulgemeinde Amriswil-Hefenhofen-Sommeri viel zu tun. Bild: Manuel Nagel
Bericht: Thurgauer Zeitung online, 3.12.2025 / Manuel Nagel
Es war fast ein wenig langweilig an diesem Montagabend in der Turnhalle in Sommeri – bis die beiden Stimmenzählerinnen dann doch noch etwas unerwartet Arbeit erhielten. Ein Schulbürger wollte mittels Antrags der Behörde eine halbe Million Franken entziehen, welche für Machbarkeitsstudien vorgesehen gewesen wäre. Doch dazu später mehr.
Zuerst ergriff Schulpräsident Michael Stäheli-Engel zu Beginn der Budgetversammlung die Gelegenheit, um sein Bedauern auszudrücken. Nein, nicht wegen des am Tag zuvor äusserst knapp ausgefallenen Abstimmungsergebnisses, mit dem ein weiteres Bauprojekt der Volksschulgemeinde Amriswil-Hefenhofen-Sommeri versenkt wurde. Stäheli verabschiedete mit einem weinenden, aber auch lachenden Auge Behördenmitglied Sascha Angehrn (FDP), der ab Februar 2026 die Leitung des Amtes für Volksschule übernimmt. «Wir sind stolz, dass jemand von uns an der Spitze des AV stehen wird», sagte der Schulpräsident und machte zugleich Werbung für Angehrns Ersatzwahl am 14. Juni. Wahlvorschläge könne man bis zum 20. April einreichen.
Steuern werden um zwei Prozentpunkte erhöht
Danach war die Reihe an Jürg Affentranger (Liegenschaften) und Helen Scalco-Klingler (Finanzen), um die Liegenschaftenstrategie und das Budget zu erklären. Auch sie beide taten das unaufgeregt und sachlich, das Nein vom Sonntag war kaum ein Thema. Die Behörde verzichtete darauf, ihre Wunden zu lecken.
Dennoch rief Affentranger nochmals in Erinnerung, dass in den nächsten Jahren die Schülerzahl um 200 Kinder zunehme, was 10 Klassen entspreche. Und er sagte fast schon poetisch, dass man nicht mit Beton und Holz baue: «Wir bauen mit unseren Kindern die Zukunft.» Die Botschaft war klar.
Scalco rechnete danach vor, dass man den Steuerfuss um zwei Prozentpunkte erhöhen müsse. «Bleibt der Steuerfuss bei 95 Prozent, ist der Aufwand nicht gedeckt. Es bräuchte einschneidende Massnahmen», sagte sie. Eine Verzichtsplanung sei dennoch unumgänglich, Angebote müssten gestrichen werden. Das sei aus Sicht der Behörde vertretbar. «Die beantragte Erhöhung verschafft uns aber mehr Zeit, um weitere Sparmassnahmen zu prüfen.»
Die 164 Anwesenden, das entspricht 1,7 Prozent aller 9575 Stimmberechtigten, votierten bei 5 Nein und 6 Enthaltungen dann auch klar Ja zur Erhöhung des Steuerfusses.
Antrag wird mit zwei Dritteln abgeschmettert
Als Schulpräsident Stäheli nach Anträgen zu einzelnen Budgetpositionen fragte, ergriff Andreas Niklaus das Wort. Ihm bereite nicht das aktuelle Budget Sorgen, «sondern was auf uns zukommt». Nächstes Jahr seien sieben Studien für bauliche Erweiterungen vorgesehen. Würde man alle geplanten Bauvorhaben realisieren, hätte man 2035 eine Verschuldungsquote von über 400 Prozent. «Das ist ja ein Unding!», rief Niklaus. Er stellte den Antrag, man solle 500’000 von einer Million Franken für Machbarkeitsstudien streichen und in bauliche Massnahmen stecken. «Die Schule hat ein ganz gewaltiges finanzielles Problem!» platzierte der ehemalige SVP-Kantonsrat Niklaus seinen Weckruf. «Die Behörde ist sich all dieser finanziellen Herausforderungen durchaus bewusst», entgegnete die Finanzverantwortliche der VSG, Scalco – notabene in derselben Partie wie ihr Vorredner.
Schulpräsident Stäheli wollte dann von Niklaus wissen, welchen Machbarkeitsstudien er denn konkret das Geld entziehen wolle. «Das überlasse ich euch, ihr wisst besser Bescheid als ich», lautete die Antwort. Das war dann 103 Stimmberechtigten doch zu pauschal und schwammig formuliert, oder sie unterstützten aus anderen Gründen den Antrag Niklaus nicht. 48 Personen stimmten dem Antrag zu, 13 enthielten sich der Stimme. Doch immerhin kam an diesem Abend zum ersten Mal Spannung auf.
Das war's dann aber auch schon. Bei der abschliessenden Abstimmung über das Budget, das bei der genehmigten Steuerfusserhöhung auf 97 Prozent mit einem Minus von 315’900 Franken rechnet (bei 95 Prozent wären es 881’000 Franken gewesen), gab es bei 6 Enthaltungen nur gerade 3 Nein-Stimmen. 155 stärkten der Schulbehörde den Rücken.
Versöhnliche Töne des Präsidenten zum Schluss
Somit hätte Michael Stäheli die Versammlung noch unter einer Stunde beenden können, doch er wollte zum Schluss noch versöhnliche Töne anschlagen und sagte: «Wir werden die Anregung von Andreas Niklaus mitnehmen, auch wenn sein Antrag abgelehnt wurde.» Die Schulbehörde werde prüfen, was wirklich notwendig sei; ebenso den Vorschlag von Karl Spiess, bei zukünftigen Bauvorhaben ein «Sounding Board» mit betroffenen Akteuren einzurichten.