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Nach den Tränen folgt der zweite Platz
Das Projekt scool.ch bringt den Orientierungslauf in die Schule. Auch in diesem Jahr werden schweizweit über 25 000 Kinder daran teilnehmen. Die Schule Amriswil-Hefenhofen-Sommeri profitiert davon, dass der hiesige Verein OL Amriswil so engagiert ist.
Bericht und Bild: Manuel Nagel, Tagblatt-Online, 12. Juli 2016
«Ein Schüler hat bittere Tränen vergossen, weil er einen Fehlstempel hatte», erzählt Röbi Meier, der beim OL-Verband als Projektleiter für scool.ch tätig ist. Meier wird unterstützt von Walter Ackermann vom Verein OL Amriswil.
Die beiden Orientierungsläufer sind verantwortlich, dass an diesem sonnigen Dienstag kurz vor den Ferien über hundert Schülerinnen und Schüler über das Gelände des Schulhauses Sonnenberg wuseln und Ausschau halten nach den orange-weissen Fähnchen.
Konzentriert und ehrgeizig
Der Frust des Schülers, der für einen Moment die Orientierung verlor, ist eine Stunde später verschwunden. «Beim OL scheidet niemand aus», erzählt Meier und studiert die Ranglisten. «Der Junge ist in den B-Final gekommen und ist dort Zweiter geworden.»
Aber auch die meisten anderen Schülerinnen und Schüler sind konzentriert und ehrgeizig bei der Sache.
Karten aller Amriswiler Schulen
«Eine Lehrperson hat mir gesagt, dass sie noch nie eine Tätigkeit gesehen habe, bei der die Kinder in einem halben Tag so viel gelernt hätten», sagt Walter Ackermann und ergänzt: «Beim OL lernt man, mit Fehlern umzugehen, sie zu akzeptieren und daraus zu lernen.»
Insgesamt 25 Posten hat der Vertreter der Amriswiler Orientierungsläufer gesetzt, auf deren Webseite OL-Karten von allen Amriswiler Schulhäusern heruntergeladen werden können.
In diesem Jahr finden gleich fünf solcher Scool-Anlässe in Zusammenarbeit mit OL Amriswil statt, obwohl der Verein lediglich zwei Kontingente hätte. Doch weil sich die Amriswiler stärker als andere OL-Riegen engagieren und stets mehrere Schulhäuser für das Projekt anmelden, profitieren die Amriswiler Klassen.
Viele Fähigkeiten gefragt
Für Projektleiter Meier ist es immer wieder schön zu erleben, wenn ein Lehrer zu einer Leistung eines Schülers meint: «Das hätte ich ihm jetzt aber nicht zugetraut.» Beim OL seien verschiedene Fähigkeiten gefragt, nicht nur Rennen, erklärt Meier. «Nebst Konzentration und kognitiven Fähigkeiten braucht es auch viel Koordination. Man muss beim Laufen die Karte lesen können und dabei nicht über den Stein stolpern.»
Mindestens vier Kilometer, so schätzt Walter Ackermann, sei jedes Kind an diesem Morgen gerannt. Doch weil alles spielerisch war, sei die Distanz überhaupt kein Thema gewesen.
