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«Wir wollten ihn retten»
Das Fällen eines Nussbaums beim Kindergarten Pärkli in Amriswil erregt den Unmut der Anwohner. Die Schule weist darauf hin, dass der Baum krank gewesen ist und verspricht einen Ersatz. Weitere Bäume werden aber fallen.
Bericht: Tagblatt Online, 1. Februar 2014, Rita Kohn
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Fast spurlos verschwunden: Noch ist zu erahnen, wo bis vor kurzem der Nussbaum stand.
«Wie viele alte Bäume werden noch im «Pärkli» gefällt?» Die Anwohnerin des Kindergartenareals Pärkli in Amriswil ist empört. Denn vor wenigen Tagen tauchte ein Gartenarbeiter auf, der den Nussbaum bei der Schaukel umschnitt. Die Anwohner, die von der Aktion überrascht worden sind, reagieren mit Unverständnis.
«Wir haben gar nicht daran gedacht, dass das Fällen des Baums die Nachbarn beschäftigen könnte», sagt Peter Ebinger, Leiter der Schulverwaltung. Für sie sei es ein reiner Entscheid der Vernunft gewesen, den Nussbaum umzuschneiden. Denn der Baum war seit längerem krank.
Den Baum erhalten
Obwohl der Nussbaum von Baumfäulnis betroffen war, habe man nicht gleich ans Fällen gedacht. «Zuerst hat die Hauswartin versucht, den Stamm einzupacken und dadurch zu schützen», sagt Ebinger. Doch habe sich gezeigt, dass diese Massnahme nicht fruchtete. Deshalb musste die Situation von einem Spezialisten beurteilt werden. Da die Baumfäulnis den ganzen Stamm erfasst hatte und bis hinauf in die Äste reichte, fiel schliesslich der Entscheid, den kranken Baum zu ersetzen.
«Der Nussbaum stand direkt neben der Schaukel», sagt Peter Ebinger und weist auf die Gefahr hin, die der Baum bei stürmischen Verhältnissen dargestellt hatte. «Wir konnten nicht riskieren, dass er durch einen Sturm weiter beschädigt wird und dann auf die Schaukel stürzt», sagt er. Denn wenn jemand durch den Baum verletzt worden wäre, hätte sich die Schule mangelnde Sorgfalt vorwerfen lassen müssen. «Die Situation hätte vielleicht anders ausgesehen, wenn der Baum abseits gestanden wäre.» Peter Ebinger sagt, dass durch die umliegenden Bauten wohl ein Schutz für den kranken Baum bestanden habe, doch sei die Gefahr durch Sturmschäden dadurch nicht vom Tisch gewesen.
Baum wird ersetzt
Auch wenn es sich beim Nussbaum um einen «gewöhnlichen» Baum handelte, der nicht unter Schutz stand, will die Schule ihn doch ersetzen. Welcher Art der neue Baum sein wird, ist allerdings noch nicht bekannt. «Wir sind im Gespräch mit der Hauswartin und mit der Kindergartenlehrerin.» Denn der neue Baum soll für den Kindergarten eine Bereicherung darstellen. So sei beispielsweise ein Apfelbaum im Gespräch gewesen, doch sei es nicht ganz einfach, die verschiedenen Bedürfnisse alle zu berücksichtigen. «Gerade bei einem Obstbaum stellt sich die Frage, ob er gegen Krankheiten gespritzt werden muss und ähnliches. Da gehen die Meinungen auseinander.»
Unter anderem dürfte auch die Gestaltung des restlichen Areals eine Rolle spielen. Denn nur ein Teil des Parks – der Boden gehört der Schule – wird für den Kindergarten genutzt. Der ganze nördliche Bereich steht der Öffentlichkeit zur Verfügung und wird vor allem auch dank des Spielplatzes aktiv genutzt. Gepflegt wird dieser Bereich von der Stadt.
Hainbuche muss weg
In nächster Zeit wird die Stadt auf dem Areal ebenfalls Bäume fällen, wie Rolf Scheurer von der Bauverwaltung sagt. Denn die markante Hainbuche an der Säntisstrasse ist von einem Pilz befallen, ihre Standfestigkeit ist in Frage gestellt. Auch hier gilt, dass die Sicherheit der Passanten und Parkbenützer gewährleistet werden muss. Dass die Bedenken nicht unbegründet sind, weiss man spätestens, seit die zweite Hainbuche vom Sturm umgerissen wurde.
Es werden allerdings auch weitere Bäume fallen müssen. Denn das «Pärkli» soll durch ein neues Konzept aufgewertet werden. «Derzeit ist eine Fachfrau dabei, ein umfassendes Konzept zu erarbeiten», sagt Rolf Scheurer. Voraussichtlich im nächsten Winter sollen dann neue Bäume gepflanzt werden. «Es ist besser, Bäume in einer Zeit zu setzen, in der die Vegetation ruht», erklärt Scheurer. Und es sei auch besser, Bäume dann zu fällen, wenn der Stamm nicht mehr voller Saft ist.
Entscheid nachvollziehen
Die Stadt sei sich bewusst, dass das Fällen von markanten Bäumen ein Reizthema darstelle, sagt Stadtammann Martin Salvisberg. Ihm sei es wichtig, dass die Bevölkerung nachvollziehen könne, wenn sich ein Fällen nicht vermeiden lasse.